Obereisenheim – Kitzingen
Die Mainschlaufen sind beeindruckend und dank der Bodenbeschaffenheit besonders geeignet für den Weinbaum. Muschelkalk ist das Stichwort, deshalb ein sehr mineralischer Wein.

Das Hotel Rose beherbergt viele Monteure und Aussendienstler, deshalb gibt‘s Morgenessen ab sechs Uhr. Ich bin kurz vor Sieben am Essen und um halb Acht geht‘s los. Erst durch Wiesen und Felder (NICHT auf Beton) bis Untereisenheim, wo ich über zwei hübsche Inschriften stolpere.
Nr. 1:


Auf Nr. 2 bin ich gestossen, als ich über die Mauer in den Friedhof gespienzlet habe:

Nachher geht‘s auf den Hang hoch, wo ich auf den Bahnhof von Escherndorf stosse.

Hinter dem Bahnhof fällt der Hang ab in die nächste Mainschleife, nach Escherndorf, der Heimat des Bocksbeutels. Ein ausgesprochen hübsches Weindorf. Was mir wieder einmal auffällt: Es gibt so gut wie keine Werbeplakate in den Dörfern. Es ist sehr angenehm, dass man nicht überall von visuellem Gebrüll belästigt wird. Und es lässt die Architektur wirken.

Leider sind die Wege in den Weinbergen betoniert, wie auch im Lavaux.
Über Neuses am Berg komme ich nach Dettelbach, ein wiederum sehr hübsches Städtchen, komplett mit Stadtmauer, einigen Stadttoren, Kopfsteinpflaster und allem, was dazu gehört.



Wie in der Schweiz wird gebaut wie plöt, und viele Dörfer bestehen aus Zwiebelschichten von Einfamilienhäusern aus der jeweils gleichen Zeit – das Zentrum historisch, dann kommen die 50/60er Jahre, die 70er, die 80er undsoweiter. Ganz aussen sind die Neubauten, wie der hier in Buchbrunn.
Aufgrund der Fassadengestaltung resp. Fensterplatzierung habe ich mich gefragt, hinter welchen Fenstern welche Räume liegen. Ich bin nach wie vor ratlos. Immerhin hat die Architektin oder der Architekt die Fenster senk- und waagrecht aufeinander abgestimmt. Aber gibt es sonst ein gestalterisches Konzept? Ausser weiss, grau und viereckig, meine ich.

Nach gut sechs Stunden komme ich in Kitzingen an, im Hotel Deutscher Hof. Neben gerupftem Schweinebraten, Wienerschnitzel aus Schwein und gefülltem Schnitzel stehen Flammkuchen auf der Karte – mit Bratwurst, Sauerkraut, Speck und Senf.
Ich mache mich also auf die Suche nach einer Futterkrippe mit leichterem Essen, werde dann bei einem chinesisch / japanisch / vietnamesisch kochenden Restaurant fündig. Das Essen ist nicht der Rede wert, aber leichter als das fränkische. Quand-même (ich Wichtsack).
Auf dem Rückweg komme ich an einigen Stolpersteinen vorbei. das ist einer davon:

So schön die Weinhänge des Mains sind, ein schönes Wandern ist es nicht – entweder steige ich auf Betonstrassen Hänge hinauf und hinunter, oder ich gehe auf Teer- oder Betonstrassen dem Main entlang. Der Anteil Naturunterlage ist klein; das macht längerfristig keinen Spass und Fussschmerzen.
Nach langem Werweissen habe ich mich entschieden, morgen nach Ochsenfurt zu wandern und dort den Zug nach Öhringen zu nehmen; das liegt etwas östlich von Heilbronn. Dort geht der Limes-Weg nach Süden durch, bis nach Schwäbisch Gmünd. Die Gegend ist bewaldet, hügelig und heisst schwäbisch-fränkischer Wald. Was das für die örtliche Küche heisst, wage ich mir noch nicht vorzustellen.